KGTV Generalversammlung und Sommerworkshop 2026
Am 5. Mai 2026 fanden die Generalversammlung und der traditionelle Sommerworkshop der Konferenz der Gebäudetechnikbranche KGTV im FHNW Campus Brugg-Windisch statt. Neben den statutarischen Geschäften widmeten sich die Teilnehmenden den Themen Graue Energie und Lowtech. Ausserdem bot die KGTV wie im letzten Jahr innovativen Unternehmen die Gelegenheit, den Mitgliedern ihre Produkte im Zusammenhang mit der Gebäudetechnik zu präsentieren.
Die 14. Generalversammlung der Konferenz der Gebäudetechnikbranche KGTV war zugleich die letzte von Präsidentin Dr. Franziska Ryser, die aus zeitlichen Gründen kürzertreten muss. In ihrem Präsidialbericht beleuchtete sie die Bestrebungen der KGTV, die Dienstleistungen für ihre Mitglieder zu verbessern und zugleich den politischen Einfluss zu erhöhen. Durch die Kooperationsverträge mit verschiedenen Partnerorganisationen, die Start-Up-Pitches am Sommerworkshop und die Verabschiedung von konsolidierten Stellungnahmen zuhanden der Bundesverwaltung, namentlich bei der Lärmschutzverordnung und beim Entlastungspaket, hat die KGTV dazu beigetragen, die Gebäudetechnikbranche sichtbarer zu machen und besser zu vernetzen. Ausserdem bot die KGTV mit dem Sommerworkshop zum Thema Effizienz und der Herbstplenarversammlung zum Thema Netze bei Siemens wieder spannende Anlässe und ausreichend Gelegenheit zum Netzwerken. Mit dem erstmalig durchgeführten und von Stephan Peterhans organisierten Besuch des Bundeshauses konnten die Mitglieder der KGTV ausserdem einen Blick hinter die Kulissen der Politik werfen. Der Anlass kam so gut an, dass er 2026 wiederholt wird.
Der Vorstand trieb 2025 den eigeschlagenen Weg weiter voran, namentlich durch eine Überarbeitung der Strategie und der Ziele des Verbands und einer Schärfung dessen Profils. In diesem Rahmen wurde auch eine engere Kooperation mit aeesuisse, dem Dachverband der Wirtschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, ins Auge gefasst. Der Vorstand wird sich 2026 weiter mit diesem Thema auseinandersetzen, nachdem die Mitgliederversammlung nach intensiven Diskussionen im Rahmen eines Workshops grünes Licht für ein entsprechendes Vorprojekt gegeben hatte. Da der Rücktritt von Franziska Ryser relativ kurzfristig erfolgte, ist noch nicht klar, unter wem diese Arbeiten fortgesetzt werden. Die Mitgliederversammlung entschied sich, die Ersatzwahl schriftlich durchzuführen, sobald mögliche Kandidaturen geklärt sind. Die übrigen Mitglieder des Vorstands – Iris Grob (GSGI), Philipp Grob (Swiss Engineering STV), Simon Hämmerli (EIT.swiss), Alexandra Märki (FWS), Ronny Riedo (FKR) und Thomas Lüthi (IFMA) – wurden zusammen mit den Revisoren Philipp Schütz und Ralph Bachofen einstimmig wiedergewählt. Auch die Jahresrechnung und das Budget wurden einstimmig verabschiedet. Die Geschäftsstelle präsentierte weiter die Ergebnisse einer Mitgliederumfrage zu den KGTV-Veranstaltungen. Diese kommen grundsätzlich gut an, die Nichtteilnahme vieler Mitglieder wird hauptsächlich mit zeitlichen Ressourcen begründet. Einige Mitglieder nutzten die Umfrage auch für strategische Inputs, die die Geschäftsstelle nun nutzen wird, um künftige Veranstaltungen noch attraktiver zu gestalten.
Sommerworkshop im Zeichen der grauen Energie
Der Nachmittag startete mit der zweiten Auflage der Start-Up-Pitches. Eröffnet wurden die Pitches durch Tobias Händler von Benetics, der live eine Cloudlösung für die Kommunikation zwischen Büro und Baustelle demonstrierte. Das Tool kann mit KI-Unterstützung Sprachaufnahmen in Arbeitsanweisungen umwandeln, die direkt den Mitarbeitenden zugestellt und sogar automatisch in verschiedene Sprachen übersetzt werden können. Manuel Ganter von Solarstream präsentierte im zweiten Pitch ein neues Projektmanagement-Tool, das die Digitalisierung der Branche durch den Aufbau von Schnittstellen vorantreiben will. Solarstream erstellt dazu eine zentrale Datenbank mit Informationen zu Baumeldungen, Netzbetreibern, Anforderungen von Gemeinden oder auch Fördergelder, die direkt abgerufen werden können und nicht erst einzeln händisch übertragen werden müssen. Letzteres ist heute aufgrund fehlender API-Schnittstellen immer noch ein grosses Problem. Der dritte Pitch von Rea Sodero von Planlabs zeigte eine vollautomatische, cloudbasierte Plattform für die Lüftungsplanung, die auf Knopfdruck vollständige Planungsunterlagen für ein Vorprojekt ausgeben kann. Durch diese Lösung soll bis zu 70 Prozent effizienter geplant und eine Kostenersparnis von bis zu einem Drittel erreicht werden können. Im letzten Pitch präsentierte Peter Amacher die Bildungsworkshops von Myclimate. Das Ziel ist dabei, Lernende in der Grundbildung zu begleiten und ihnen Handlungskompetenz in Klimafragen zu verleihen. Die Workshops lassen sich in den allgemeinbildenden Unterricht der Gebäudetechnikberufe integrieren und werden von einer Stiftung und dem Bund finanziert.
Im Anschluss an die Pitches kam Christian Stünzi auf den neuen Netto-Null-Standard von Minergie zu sprechen. Der Bund und Kantone haben sich das Netto-Null-Ziel vorgegeben, ein gemeinsamer Standard bei den Gebäuden gibt es aber bisher nicht, obwohl das Problem seit mindestens vier Jahren intensiv diskutiert würde. Entsprechend gross sei das Bedürfnis nach Klärung und Orientierung. Auch sei mehr Wettbewerb bei der CO2-Vermeidung nötig und es müssen mehr Anreize für den Einsatz von Negativemissionstechnologien und C-Speicher geschaffen werden. Der nun von Minergie geschaffene Netto-Null-Standard setze auf das Prinzip «Vermeiden, Speichern und Ausgleichen». Die Vermeidung setze dabei, ganz im Sinne des Mottos des Sommerworkshops, bereits bei der Erstellung der Gebäude an und würde im Betrieb über 60 Jahre nach Vorgabe der bestehenden Minergie-Standards fortgesetzt, wobei keine fossilen Brennstoffe mehr zum Einsatz kommen dürfen. Die Speicherung erfolge über mineralische und biogene C-Speicher im Gebäude, z.B. in Form von Pflanzenkohle im Beton oder Dämmstoffe aus Biomasse. Und beim Ausgleich setze Minergie auf ein Portfolio von qualitativ hochwertigen Negativemissionszertifikaten, die von der International Carbon Reduction and Offset Alliance (ICROA) oder dem Integrity Council for the Voluntary Carbon Market (ICVCM) anerkannt werden. Mehr als 50 Prozent der Zertifikate stammen dabei aus der Schweiz und ihren Nachbarländern. Als Beispiel nennt Stünzi das Jointventure Bioenergie Frauenfeld zur Erstellung von Pflanzenkohle aus Schweizer Holz, dessen Abwärme zur Produktion von Zucker und das lokale Heiznetzwerk verwendet würde. Am Ende ziehe der Minergie Netto-Null-Standard Bilanz über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Die Kosten für die Zertifizierung des Gebäudes belaufen sich auf 1 bis 2 Prozent der Baukosten und setzen sich aus einer Gebühr für den Baustandard (Minergie-P/-A-ECO / Minergie), einer Gebühr für den Standard Minergie-Netto-Null und den Kosten für die NET-Zertifikate zusammen. Auf der Webseite von Minergie findet sich ein Online-Tool mittels dessen die Kosten für den Ausgleich und die Zertifizierung geschätzt werden können. Den Mehrwert des Standards sieht Stünzi für die Bauherrschaften in einer Wertsteigerung des Objekts und den einfachen Erwerb hochwertiger Negativemissionszertifikate, für Architekten in klaren Regeln für konsequenten Klimaschutz und für die Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt in einem Anreiz für die Vermeidung von CO2-Emissionen, die Förderung von Negativemissionstechnologien und dem Erfahrungszuwachs beim Bau von Netto-Null-Gebäuden.
Im zweiten Fachvortrag widmete sich Beat Wellig von der Plan-K AG der Low Tech-Bauweise. Nach dem Grundsatz von Albert Einstein, wonach alles so einfach wie möglich, aber nicht einfacher gemacht werden soll, wolle die Plan-K AG den Raumkomfort durch natürliche Wirkungsprinzipien und einfache Systeme optimieren. Das Motto laute dabei Low-tech und nicht No-tech und nehme das Gebäude und die Technik als gemeinsames System in den Fokus. Das Unternehmen setze dabei auf bauliche Voraussetzungen wie Wärmeschutz und Speichermasse, schnell reagierende Heiz- und Kühlsysteme mit geringer Leistung, die Nutzung des Wärmespeichervermögens der Gebäudemasse, mechanische Belüftung, die Abwärmenutzung aus IT-Infrastruktur sowie hohe Energieeffizienz dank raumnahen Systemtemperaturen. Anhand verschiedener Beispiele von Büro- und Wohngebäuden erklärt Wellig die wichtigsten Elemente des «K» genannten Systems: Die Gebäudestruktur als Speichermasse, sanftes Heizen und Kühlen mittels Klimakonvektoren mit 26°C im Vorlauf beim Heizen und 20°C beim Kühlen, eine Verbundlüftung via Flure und zentrale Räume ohne horizontale Kanäle und eine Niederhub-Wärmepumpe mit COP-Werten zwischen 9 und 14. Die Kombination dieser Elemente erlauben gemäss einer LCA-Studie der Universität Genf eine Reduktion des Primärenergiebedarfs von bis zu 75% und der Treibhausgasemissionen um 72% im Vergleich zur standardmässig verbauten Gebäudetechnik. Dies sei insbesondere auch deshalb von Bedeutung, weil in der Schweiz 60 Prozent der Wärmepumpen überdimensioniert sind.
Im letzten Fachbeitrag kommt Gianrico Settembrini von der HSLU auf das Optimierungspotential der Gebäudetechnik hinsichtlich grauer Energie zu sprechen. Die Gebäudetechnik hinke hinsichtlich grauer Energie den anderen Gebäudekomponenten hinterher. Zwar werde mittlerweile der Betrieb optimiert, 80 Prozent der Emissionen der Gebäudetechnik über den ganzen Lebenszyklus von 60 Jahren betrachtet entfielen aber sowieso auf die Erstellung. Dies wirke umso schwerer, als dass rund ein Viertel der grauen Energie auf die Haustechnik entfalle, was ähnlich viel sei, wie die graue Energie, die für das Tragwerk aufgewendet werden müsse. Bei den einzelnen Gebäudetechniksystemen verschlängen die Elektro- und die Lüftungsanlagen am meisten Energie für die Herstellung und Entsorgung, namentlich aufgrund der verwendeten Materialien. Dabei werde insbesondere der 10R-Ansatz in der Kreislaufwirtschaft (Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle, Recover) einfach noch zu wenig beachtet. Den grössten Einfluss hätten dabei die Elemente Refuse, Rethink und Reduce: Statt jedes Gebäude mit möglichst vielen Gebäudetechniksystemen auszurüsten, wäre die gemeinsame Nutzung durch mehrere Parteien angezeigt, beispielsweise bei Waschtürmen. Auch die Schliessung von Wasserkreisläufen und die Nutzung von Regen- und Grauwasser könne zur Reduktion der grauen Energie beitragen. Weiter sei die Wiederverwertung von Bauteilen auf Bauteilbörsen zu erwägen, eine Praxis, die in der Vergangenheit weit verbreitet gewesen sei. Betreffend die Ansätze Reuse und Repair seien nach Ansicht von Settembrini die Verwendung von gut demontierbaren, zugänglichen und dadurch wartungs- und reparierfreundlichen Komponenten zu favorisieren. Ausserdem seien die Systeme klarer voneinander zu trennen, damit der Ersatz einzelner Komponenten einfacher würde. Anhand des Beispiels von Zwischendecken zeigte Settembrini zudem, wie der Materialverbrauch beim Bau optimiert werden könne, ohne an Komfort zu verlieren, und schliesst damit an die Ausführungen von Beat Wellig an. In diesem Zusammenhang mache auch die Prüfung alternativer Materialien wie z.B. Karton, Bambus oder Mycelium Sinn. Als Beispiel zeigte Settembrini einen Lüftungsrohrabschnitt aus Karton, der auch hinsichtlich Brandschutzes geprüft worden sei. Gerade die Rohrverzinkung und die Verwendung anderer Metalle verbrauche sehr viel graue Energie, was auch den hohen Anteil der Elektro- und Lüftungsinstallationen am Energieverbrauch erkläre. Design sei ein weiterer, wichtiger Faktor: Bereits kreislauffähig designte bzw. demontagefreundliche Produkte hülfen, den grauen Energieverbrauch weiter zu senken. Zusammen mit dem Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband hat die HSLU eine Wegleitung verabschiedet, die dabei unterstütze, die genannten 10R-Grundsätze in der Gebäudetechnik besser umzusetzen.
Im anschliessenden Workshop wiesen die Mitglieder der KGTV darauf hin, dass es schon viel helfen würde, wenn der Effizienzgedanke auch politisch gestärkt würde. Zwar fände er schon Beachtung, wichtiger seien aber Haftungsfragen und die preisorientierte Vergabepraxis der öffentlichen Hand. Gerade bei den Ausschreibungen sei ein entsprechender Kriterienkatalog nötig. Solange ein solcher nicht bestehe, hätten die Unternehmen der Branche zwei grundsätzliche Bedürfnisse, die zu erfüllen sind: Rendite und Fachkräfte. Einsparungen durch die Reduktion des grauen Energieverbrauchs blieben da nur ein Nebengedanke. Sowieso stünden eher die Lieferanten der Komponenten und nicht die Installationsbetriebe im Fokus – letzteren falle immerhin die Rolle des Beraters zu. Hoffnung mache aber, dass die neu festgelegten Grenzwerte für graue Energie in den MuKen 2025 viel dazu beitragen können, dass das zirkuläre Denken gestärkt würde und Ideen wie die Low-Tech Bauweise von Plan K grössere Verbreitung fänden.